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Review Degli Antoni in Klassik.com

Degli Antoni: 12 Sonatas Op.4

Obgleich Pietro Degli Antoni (auch: Degli Antonii) eine Anzahl von Oratorien, Kantaten und Bühnenwerken hinterlassen hat, liegt die eigentliche historische Bedeutung seines Komponierens in den überlieferten Instrumentalwerken. Denn im Kontext des Aufkommens generalbassgestützter Streicherbesetzungen leistete der Komponist einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der noch nicht etablierten Gattungen von ‚Sonata da chiesa‘ und ‚Sonata da camera‘: Während Degli Antonis frühe Sammlungen mit Instrumentalstücken – die 'Arie, gighe, balletti, correnti, allemande e sarabande' op. 1 (1670) und die 'Balletti, correnti, & arie diverse' op. 3 (1671) – noch vorwiegend auf Tänzen und Kopien vokaler Formen basieren, betritt der Komponist spätestens mit seinen zwölf 'Sonate a violino solo con il basso continuo per l’organo' op. 4 (1676) musikalisches Neuland und führt – deutlich beeinflusst von seinen Erfahrungen im Umgang mit der menschlichen Stimme – eine ganze Reihe innovativer Elemente in die damals noch sehr junge Kammermusikgattung ein.

Die vom fünfköpfigen Ensemble Il Coro d’Arcadia (mit Alessandro Ciccolini, Violine; Alberto Guerrero, Violoncello; Franco Pavan, Theorbe; Francesco Baroni, Cembalo und Orgel; Vincenzo Allevato, Orgel) bei Brilliant Classics eingespielte Gesamtaufnahme wird dem Sonatenzyklus erfreulicherweise außerordentlich gut gerecht und nimmt durch einen überlegten Zugang für sich ein. Dies beginnt damit, dass sich die Interpreten von Anfang an auf das dialogische Prinzip besinnen: Der Bass fungiert nicht lediglich als harmonisches Fundament, sondern ist ein der Violine gleichberechtigter Duopartner, der mit der Oberstimme in mannigfaltigen dialogischen Situationen zusammentrifft – ein Ansatz, der (so in den 'Grave'-Sätzen der Sonaten III, IV und VI oder im 'Adagio' von Sonata XI) vielfach auch Degli Antonis Rückgriff auf rezitativische Elemente und dem damit verbundenen den Versuch, den Kompositionen eine die vokale Deklamation angelehnte Sprachnähe einzuschreiben, unterstützt. Vielfältig ist aber auch der klangfarbliche Zugang, der vor allem in den sorgfältig gestalteten Klanghintergründen der langsamen Sätze zum Zuge kommt.

Insbesondere Ciccolini gelingt es immer wieder, durch extrem zartes und weiches Spiel oder starke dynamische Zurücknahme, wie in den beiden langsamen Sätze von Sonata V, den feinen Begleitschichten zu besonderer Wirkung zu verhelfen. Da die einzelnen Werke zudem sehr unterschiedlich aufgebaut sind und vier bis sieben meist sehr kurze Sätze umfassen, erhält jede Sonate durch diesen Zugang eine ganz eigene Atmosphäre, in die auch gewisse Schaueffekte – so die in feierlichen Duktus mündende Trompetenfanfaren-Imitation zu Beginn von Sonata VII oder der äußerst knappe, im Zentrum stehende Prestosatz mit seinen virtuosen Figurationen – adäquat eingebunden sind. Kurz gesagt: Es ist eine wahre Freude, den Musikern bei ihrer wendigen, artikulatorisch sorgfältigen sowie auf die Abwechslung der unterschiedlichen Affekte bedachten Wiedergabe zuzuhören.

Klassik.com Kritik von Dr. Stefan Drees, 09.02.2016

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