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Klassik.com review: Vivaldi Complete Cello Concertos

Vivaldi: Complete Cello Concertos

Seit langem setzt sich das italienische Ensemble L’Arte dell’Arco für weitgehend vergessene italienische Musik und der Klassik ein, zumeist unter der Leitung seines Konzertmeisters Federico Guglielmo, doch gelegentlich auch unter Gastdirigenten wie dem verstorbenen Christopher Hogwood. Mit den Cellokonzerten Antonio Vivaldis hatte sich das Ensemble schon zuvor, wenn auch nur in Auswahl, auf CD befasst, mit dem Solisten Mario Brunello. Diesmal also eine Gesamteinspielung aller 27 Solokonzerte auf vier CDs, mit dem Solisten Francesco Galligioni, der sich für jede der einzelnen CDs durchaus Gedanken bezüglich Continuogestaltung und Wahl des Soloinstruments gemacht hat. Schon vor Jahren hatte Galligioni Anner Bylsma bei einer Einspielung von Cellosonaten von Antonio Vivaldi für Sony als Continuo-Cellist unterstützt, jetzt übernimmt er also Center-Stage in einer ausgesprochen spannenden Vivaldi-Lesart.

Nicht nur wird Vivaldi hier energisch frisch geboten, wie bei italienischen Ensembles so häufig, mit ungemein dichten Texturen, da Solist und Tutti in stetem Widerstreit, in einem echten Konzertieren miteinander stehen. In den Kopfsätzen des d-Moll-Konzerts RV 405 und des c-Moll-Konzerts RV 401 werden die Dissonanzen beeindruckend hervorgehoben; im Finale von ersterem Werk überraschen fast postmoderne Continuovarianten. Im Finale des g-Moll-Konzerts RV 417 kommen Echo-Effekte zum Einsatz, im langsamen Satz des D-Dur-Konzerts RV 403 wird die Theorbe hervorgehoben, im Konzert a-Moll RV 421 spielt der Solist nach Möglichkeit im Tutti mit. So erlangen die Werke, die gerne als allzu beliebig abgetan werden, immer wieder eine hörbar neue Perspektive – wohl nicht immer stilgemäß, aber jedenfalls nicht kalt lassend. Der Solist spielt sich nicht durch Schönklang in den Vordergrund, sondern ist ein emotional gestaltender Interpret, der auf seine musikalischen Partner hört und im besten Sinne des Wortes mit ihnen spielt.

Die Einspielungen entstanden von Januar bis Mai 2014 in der Abtei von Santa Maria delle Carceri in Padua, in einem Raum mit ansprechender Akustik, in der die Musik gut atmen kann, dennoch auch in den schnellen Sätzen auch Biss hat. Das (in englischer Sprache) generöse Booklet bietet umfangreiche Informationen sowohl zu den Werken als auch zu den Instrumenten und dem interpretatorischen Zugang und den Interpreten selbst.

Klassik.com kritik von Dr. Jürgen Schaarwächter, 09.04.2015